In der Gastronomiebranche liegt der Fokus des Arbeitsschutzes meist auf offensichtlichen Risiken: Schnittverletzungen in der Küche, Rutschgefahren auf nassem Boden, Brandschutz oder der richtige Umgang mit Reinigungschemikalien. Doch eine potenzielle Gesundheitsgefahr bleibt häufig unbemerkt, weil sie weder sichtbar noch riechbar ist und schleichend aus dem Boden dringt: Radon.
Für Betreiber von Hotels, Restaurants und Bars gewinnt dieses radioaktive Edelgas zunehmend an Relevanz. Besonders die spezifische Gebäudenutzung in der Gastronomie macht das Thema dringlich, denn kaum eine andere Branche nutzt Untergeschosse und Kellerräume so intensiv für Arbeitsabläufe wie das Gastgewerbe.
Der Keller als betriebliche Hauptschlagader und Risikozone
In vielen Branchen dient der Keller lediglich als Abstellraum oder Archiv, das nur selten betreten wird. In der Gastronomie sieht die Realität anders aus. Hier findet sich in den unteren Etagen oft das Herz der Logistik und Vorbereitung: Kühlzellen für Lebensmittel, das Fassbierlager, Weinkeller, Umkleideräume für das Personal, Büros für die Verwaltung oder sogar Vorbereitungsküchen (Mise en Place). Mitarbeiter verbringen folglich einen signifikanten Teil ihrer Arbeitszeit unterhalb der Erdgleiche.
Genau diese räumliche Konstellation begünstigt eine Radonbelastung. Radon entsteht im Erdreich durch den natürlichen Zerfall von Uran, das fast überall im Boden vorkommt. Als Gas ist es äußerst mobil und steigt durch Poren und Spalten an die Oberfläche. Steht dort ein Gebäude, wirkt dieses wie eine Art Unterdruck-Glocke. Durch den sogenannten Kamineffekt – warme Luft steigt im Haus nach oben – entsteht im Kellerbereich ein leichter Sog, der das radonhaltige Gas aus dem Boden in das Gebäudeinnere zieht.
Eintrittspforten gibt es in gastronomisch genutzten Immobilien zuhauf. Kabel- und Rohrdurchführungen für die aufwändige Haustechnik, Risse im Fundament älterer Bestandsbauten oder undichte Fugen zwischen Bodenplatte und Wänden reichen völlig aus. Da Radon schwerer als Luft ist, reichert es sich primär in den untersten Räumen an. Ist der Luftaustausch dort unzureichend – etwa in Lagerräumen ohne Fenster oder leistungsstarker Lüftung – können die Konzentrationen schnell Werte erreichen, die gesundheitlich bedenklich sind. Um hier Gewissheit zu erlangen, stellen Anbieter wie Radonova entsprechende Dosimeter zur Verfügung, mit denen sich die Belastung über einen längeren Zeitraum verlässlich ermitteln lässt.
Jan Ferch von Radonova sagt dazu: „Entscheidend ist, dass Radon in der Gastronomie nicht als abstraktes Umweltproblem, sondern als konkretes Arbeitsschutzthema verstanden wird. Die besondere Nutzung von Kellerräumen als dauerhaft besetzte Arbeitsbereiche – etwa für Lager, Vorbereitung, Technik oder Personalräume – führt dazu, dass Beschäftigte dort regelmäßig und über viele Stunden exponiert sein können. Genau hier liegt der zentrale Unterschied zu anderen Branchen.
Aus unserer Sicht kommt es vor allem auf drei Punkte an: Erstens auf die Erkenntnis, dass Radon weder sichtbar noch riechbar ist und deshalb nur durch Messung zuverlässig bewertet werden kann. Zweitens auf eine realistische Betrachtung der tatsächlichen Aufenthaltszeiten von Mitarbeitenden in Untergeschossen. Und drittens auf die Wahl geeigneter Messverfahren, die eine belastbare Aussage über die mittlere Radonkonzentration ermöglichen.
Langzeitmessungen mit Dosimetern haben sich dabei als praxisnahes Instrument etabliert, da sie Schwankungen über Wochen und Monate abbilden und den realen Arbeitsalltag berücksichtigen. Erst auf dieser Datengrundlage lassen sich fundierte Entscheidungen treffen – sei es zur Optimierung der Lüftung, zur baulichen Abdichtung oder zur organisatorischen Anpassung von Arbeitsplätzen. Messen ist daher kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung für wirksame Prävention.“
Ein weiteres, branchenspezifisches Problem verschärft die Situation: Starke Abluftanlagen in den Küchen der darüberliegenden Etagen können den Unterdruck im Gebäude verstärken, wenn nicht genügend Zuluft nachströmt. Dies saugt förmlich noch mehr Bodenluft und damit Radon in die Kellerräume. Die architektonischen Gegebenheiten vieler Traditionsgasthäuser, oft mit Gewölbekellern und direkter Erdberührung ohne moderne Abdichtung, tun ihr Übriges.

Gesundheitliche Folgen einer chronischen Belastung
Das Bewusstsein für die gesundheitlichen Auswirkungen von Radon ist in der breiten Bevölkerung noch immer gering ausgeprägt. Dabei handelt es sich keineswegs um ein Nischenphänomen. Nach dem Rauchen gilt Radon als die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Atmet man das Gas über einen längeren Zeitraum ein, zerfällt es in der Lunge und setzt Alphastrahlung frei. Diese energiereiche Strahlung kann das Erbgut der Lungenzellen schädigen und langfristig zur Tumorbildung führen.
Für den Arbeitsschutz ist entscheidend: Es gibt keine akute Warnwirkung. Niemand bekommt Kopfschmerzen oder Übelkeit, wenn er einen radonbelasteten Bierkeller betritt. Das Risiko steigt linear mit der Dauer der Exposition und der Höhe der Konzentration. Ein Sommelier, der täglich Stunden im Weinkeller verbringt, oder das Housekeeping-Personal, das in der unterirdischen Wäscherei arbeitet, sind potenziell höheren Dosen ausgesetzt als Gäste, die sich nur kurz im Erdgeschoss aufhalten.
Lange Zeit wurde dieses Risiko als privates Problem von Hausbesitzern betrachtet. Mit der Novellierung des Strahlenschutzgesetzes hat der Gesetzgeber jedoch klargestellt, dass der Schutz vor Radon auch am Arbeitsplatz gewährleistet sein muss. Arbeitgeber tragen hier eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Angestellten.
Gesetzliche Rahmenbedingungen und Referenzwerte
Seit dem Inkrafttreten des neuen Strahlenschutzgesetzes in Deutschland gilt ein gesetzlicher Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) für die Radonkonzentration an Arbeitsplätzen. Dieser Wert markiert die Grenze, ab der Maßnahmen zur Reduzierung eingeleitet werden müssen. Für Gastronomen bedeutet dies, dass sie nicht mehr nur für die Hygiene in der Küche oder die Sicherheit der elektrischen Anlagen haften, sondern auch für die strahlenschutzrechtliche Unbedenklichkeit der Arbeitsräume im Untergeschoss und Erdgeschoss.
Dabei unterscheidet der Gesetzgeber nicht, ob es sich um ein kleines Café oder ein großes Hotel handelt. Sobald sich Arbeitsplätze im Keller oder Erdgeschoss befinden, ist das Thema relevant. Ein Arbeitsplatz wird dabei definiert als ein Ort, an dem sich ein Beschäftigter regelmäßig aufhält. Die Spülküche im Souterrain fällt ebenso darunter wie das Büro des Restaurantleiters im Tiefparterre.
Die Verantwortung liegt allein beim Betriebsinhaber. Ignoranz schützt hier nicht vor Konsequenzen, zumal die Berufsgenossenschaften und Gewerbeaufsichtsämter das Thema zunehmend auf die Agenda setzen. Werden bei späteren Kontrollen oder im Krankheitsfall Versäumnisse festgestellt, kann dies haftungsrechtliche Folgen haben.
Besondere Brisanz in Radonvorsorgegebieten
Obwohl Radon überall vorkommen kann, ist das Risiko regional unterschiedlich verteilt. Die geologische Beschaffenheit des Untergrunds bestimmt, wie viel Radon entsteht und wie leicht es an die Oberfläche gelangt. Gebiete mit besonders hohem Potenzial wurden von den Bundesländern als sogenannte Radonvorsorgegebiete ausgewiesen. In diesen Zonen gelten verschärfte gesetzliche Pflichten.
Liegt ein Gastronomiebetrieb in einem solchen Vorsorgegebiet, ist die Messung der Radonkonzentration an allen Arbeitsplätzen im Keller und Erdgeschoss gesetzlich vorgeschrieben. Die Messung muss innerhalb einer Frist von 18 Monaten nach Bekanntgabe des Gebiets oder nach Betriebsaufnahme erfolgen. Wer wissen möchte, ob der eigene Standort betroffen ist, findet Informationen auf der Karte der Radon-Vorsorgegebiete des Bundesamtes für Strahlenschutz.
Doch auch außerhalb dieser explizit ausgewiesenen Gebiete kann es zu hohen Werten kommen. Lokale Bodenverwerfungen oder spezifische bauliche Mängel führen dazu, dass selbst in Regionen mit eigentlich geringem Radonpotenzial einzelne Gebäude stark belastet sind. Experten raten daher dazu, unabhängig von der geografischen Lage eine Messung durchzuführen, um Rechtssicherheit zu haben und der Verantwortung für die Mitarbeiter gerecht zu werden.
Der Weg zur Sicherheit: Messen und Handeln
Die gute Nachricht für Betreiber ist, dass der Nachweis von Radon weder teuer noch kompliziert ist und den laufenden Betrieb nicht stört. Es sind keine teuren Gutachter mit sperrigen Geräten nötig, die während der Servicezeiten im Weg stehen. Die gängigste Methode ist die Nutzung passiver Dosimeter. Dabei handelt es sich um kleine Dosen aus Kunststoff, die keinen Strom benötigen und keine Geräusche machen.
Diese Messgeräte werden in den betroffenen Räumen ausgelegt – etwa auf einem Regal im Lager oder an der Wand im Büro. Da Radonkonzentrationen im Tages- und Jahresverlauf stark schwanken (wetterabhängig), schreibt der Gesetzgeber eine Langzeitmessung über zwölf Monate vor, um einen repräsentativen Durchschnittswert zu erhalten. Nach Ablauf der Zeit schickt man die Dosimeter zurück an das Labor, welches die Auswertung übernimmt.
Zeigt das Ergebnis, dass der Referenzwert von 300 Bq/m³ unterschritten wird, ist der Prozess abgeschlossen. Der Arbeitgeber hat seine Pflicht erfüllt und kann den Nachweis zu den Akten legen. Liegen die Werte darüber, besteht Handlungsbedarf. Panik ist jedoch meist unbegründet. Oft reichen einfache organisatorische oder kleine bauliche Maßnahmen aus. Dazu zählen die Reparatur undichter Türen zum Keller, das Abdichten von Rohrdurchführungen oder die Optimierung der Lüftungszyklen. In schwerwiegenderen Fällen kann der Einbau eines Radonbrunnens oder einer speziellen Lüftungsanlage notwendig werden, was jedoch im Vergleich zu anderen baulichen Sanierungen in der Gastronomie meist überschaubar bleibt.
Arbeitsschutz als Qualitätsmerkmal
Die Thematik Radon mag auf den ersten Blick wie eine weitere bürokratische Hürde wirken, die den ohnehin arbeitsreichen Alltag in der Gastronomie beschwert. Betrachtet man es jedoch nüchtern, ist der Umgang damit ein logischer Baustein eines modernen Gesundheitsmanagements. Ein sicherer Arbeitsplatz ist die Basis für motivierte Mitarbeiter. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels senden Betriebe, die sich proaktiv um die Gesundheit ihrer Belegschaft kümmern, ein positives Signal.
Radonvorsorge ist keine theoretische Übung, sondern gelebter Arbeitsschutz. Die Risiken sind real, die Nachweismethoden simpel und die Lösungen bei Belastung meist pragmatisch umsetzbar. Für Gastronomen, die ihre Kellerbereiche intensiv nutzen, sollte der Griff zum Messgerät daher so selbstverständlich sein wie die regelmäßige Wartung der Feuerlöscher oder die Kontrolle der Kühlkette. Es schafft Sicherheit für den Unternehmer und schützt das wertvollste Gut des Betriebes: die Gesundheit der Menschen, die dort arbeiten.
