Es gibt unzählige Sorten und Marken von Bier in Deutschland. Die Wahl des richtigen Bierglases ist mehr als nur eine Frage des Stils – sie ist entscheidend für die Entfaltung des vollen Geschmackspotenzials und das ultimative Genusserlebnis jedes Bieres. Zudem schätzen es die Brauereien, Ihre eigenen Biergläser zu haben, um die eigene Marke besser zu transportieren.
Bedeutung der Glasform von Biergläsern
Die Form eines Bierglases ist von entscheidender Bedeutung, da sie direkt beeinflusst, wie Aromen und Kohlensäure des Bieres freigesetzt werden, was wiederum das Geschmackserlebnis maßgeblich prägt. Ein schmaleres Glas fördert etwa die Konzentration der Aromen an der Oberfläche, wodurch der Duft intensiviert und die Geschmackswahrnehmung vertieft wird. Weitere Aspekte wie die Schaumbildung, die durch die Glasform beeinflusst wird, sind ebenfalls entscheidend.
Ein guter Schaum schützt die Aromen und hält das Bier länger frisch. Zudem beeinflusst die Art und Weise, wie das Bier in den Mund fließt, direkt die Geschmackspunkte, die betont werden. Ein breiteres Glas kann insbesondere die Süße eines Bieres hervorheben, während ein länglicheres Glas die Bitterkeit betonen kann. Somit spielt die Glasform eine zentrale Rolle in der sensorischen Wahrnehmung und trägt dazu bei, dass jedes Bier unter optimalen Bedingungen genossen werden kann.
14 Biergläser und ihre spezifischen Eigenschaften
Hier möchten wir Ihnen nun die gängigsten (aber auch einige außergewöhnliche Formen) 14 Biergläser vorstellen:
Willybecher
Ach ja … der gute alte Willibecher – die wohl bekannteste und weitverbreitetste Bierglasform. Besonders in der Gastronomie wird der Willibecher (auch Willybecher) seit 1954 eingesetzt. Auf drei Viertel seiner Höhe ist er etwas breiter als am Boden und am Mundrand.
Willybecher werden in vielen Größen hergestellt. Es gibt sie in 0,2 l, 0,25 l, 0,3 l, 0,4 l und 0,5 l Fassungsvermögen – mit und ohne Eichstrich.
Woher der Name kommt, ist nicht ganz klar. Es gibt allerdings eine Anekdote, die besagt, dass ein Mitarbeiter der Ruhrglas AG, der mit Vornamen Willy hieß, dieses Glas in den Nachkriegsjahren erfunden hat. Immerhin waren Rohstoffe zu der Zeit knapp, um aufwendige Humpen herzustellen.

Pintglas
Das Pintglas bezeichnet nicht unbedingt eine feste Glasform, eher sein Fassungsvermögen. Daher haben in England Pintgläser einen Inhalt von 0,57 Litern, in Amerika hingegen 0,48 Liter. Viele der Pint Gläser haben ein ähnliches Aussehen wie ein klassischer Willibecher.
Oft haben diese Biergläser auch unterhalb des Randes eine ausgeprägte Auswölbung, was das Greifen und Halten erleichtert. Insofern muss ein Pint Glas bis zum Rand gefüllt werden, denn nur so ist auch wirklich ein Pint Bier darin. Allerdings sucht man eine Schaumkrone bei diesen Bieren vergeblich.

Schwarzbierpokal
Das untergärig gebraute Schwarzbier hat zwar in Deutschland nur einen Marktanteil von unter 2 %, ist aber bei seinen eingefleischten Fans sehr begehrt. Die tiefschwarze Farbe, der malzige Geschmack und die herben Aromen machen das Bier besonders. Man trinkt es aus gestielten Kelchgläsern, dem Schwarzbierpokal.
Das vom Gerstenmalz stammende Aroma kann röstig, schokoladig oder kaffee-ig wirken. Das tiefschwarze Bier verbindet Röstaromen mit Süße, leichte Bitteraromen mit Leichtigkeit. In der Tat ist Schwarzbier ein wenig wie Wein. Man kann es sehr lange lagern und es reift in der Flasche weiter. Probieren Sie mal eine junge und eine ältere Flasche unmittelbar gegeneinander – Sie werden überrascht sein.

Kölschstange
Das Kölschglas hat eine gleichmäßige langgestreckte zylindrische Form ohne Wölbung. Es ist rund dreimal so hoch (ca. 15 cm) wie breit (ca. 5 cm). Es wird ausschließlich für das in Köln beheimatete Kölsch genutzt und hat ein Fassungsvermögen von 0,2l. Manche würden das als „homöopathische“ Dosis bezeichnen, dafür kommt das Bier aber konstant frisch an den Tisch.
Zudem hat das Bier einen geringen CO₂-Gehalt und auch sein Schaum ist nicht sehr stabil. Es muss daher schnell und frisch getrunken werden. Durch den kleinen Durchmesser gelangt wenig Luft an das Bier und CO₂ kann so nur langsamer entweichen.

Die Biertulpe
Eines der klassischsten und am meisten vertretenen Biergläser überhaupt. Markant sind der breite Fuß, der deutliche Stiel und die leicht bauchige Form. Ferner natürlich auch das sich nach oben verengende Glas. Gerne wird der Stiel genutzt, um ein Pilsdeckchen darum zu legen, welches mit dem Namen der Brauerei oder der Gaststätte bedruckt ist.
Die Form der Biertulpe sorgt für einen stabilen Bierschaum. Weiterhin ist der Bauch für das Herauskitzeln der angenehm bitteren Hopfenaromen verantwortlich. Der Mundrand ist so geformt, dass das Bier perfekt auf die Mitte der Zunge geleitet wird und hier seine Aromen spielen lassen kann.
Pilstulpen sind am gängigsten in einer Größe von 0,3 l zu finden, aber es gibt sie auch durchaus in 0,2 l oder 0,5 l.

Kutscherglas
Das Kutscherglas sieht fast genauso aus, wie ein Yard Ale. Nur dass es eben nicht fast ein Meter lang ist, sondern eine normale Größe hat. Es hat keinen Fuß, man kann es nur in einem speziellen Ständer aufbewahren. Da wo sonst der Fuß wäre, befindet sich eine kugelförmige Ausbuchtung. Daran schließt sich ein sich nach oben weitender Hals an. Das Kutscherglas hat seinen Namen von belgischen Postkutschern, die das Bier in einer Halterung an ihrem Kutschbock aufbewahrt haben. Kutschergläser sind sehr attraktiv und etwas Besonders. Ein solches Glas sorgt für Gesprächsstoff in einer netten Runde.

Yard of Ale
Der Name dieses Glases (auch Long Glass, Cambridge Yard Glass oder auch Ells Glass) leitet sich von dem britischen Längenmaß Yard ab. Ein Yard sind 91,44 cm. Dieses fast ein Meter lange Glas mit seinem typischen ballonförmigen Boden, ist gar nicht so einfach zu trinken. Zudem kann man das Glas nicht einfach abstellen. Man benötigt eine spezielle Halterung dafür. Die ballon- oder kugelförmige Verdickung am Fuß sorgt zudem dafür, dass das Bier beim Schräghalten des Glases heraus schwappt.

Weizenbierglas
Jeder kennt die hohe und schlanke Form des klassischen Weizenbierglas. Aber warum hat es diese Form? Durch diese Form möchte man erreichen, dass die Kohlensäure im Bier besonders lange braucht, um vom Boden bis ganz nach oben aufzusteigen.
Genau das hält das Bier spritzig und frisch. Hinzu kommt der verstärkte Boden eines Weizenbierglases – er dient der Stabilität, da man mit diesen Gläsern üblicherweise unten anstößt. Wegen des höheren Hefegehalts im Weizenbier geht das Glas nach oben hin etwas auseinander. Auf diese Weise lässt sich der Schaum besser in den Griff bekommen.

Bierkrüge, Bierseidel und Bierhumpen
Humpen sind praktisch die Urform des heutigen Bierglases. Jahrhunderte lang tranken die Deutschen ihr Bier daraus. Über diese lange Zeit konnten sich viele Varianten, üppige Verzierungen und Applikationen und regionale Besonderheiten entwickeln. Viele Humpen haben einen Deckel – oft aus Zinn – der vor Verschmutzungen schützt. Der kleine Hebel zum Öffnen des Deckels wird übrigens Daumenruhe bezeichnet. Insbesondere vor dem spuckenden Mittrinker, wie es früher oft üblich war. Humpen können aus Glas, aber auch aus Steingut, Silber, Porzellan, Zinn oder Ton gearbeitet sein. Ist ein Krug oder Humpen aus Glas und zylindrisch wird er auch als Seidel bezeichnet.
Viele verschiedene Bezeichnungen haben sich zudem entwickelt. Manchmal wegen der abgewandelten Form, meist aber regional: Humpen, Schnelle, Bierkrug, Krug, Bierseidel, Seidel, Bierbembel, Steinkrug oder Krügel. Ist das Glas nicht glatt außen, sondern weisst viele nach innen gewölbten „Beulen“ auf, so spricht man auch von der Augenkanne.
Seidel ist auch eine Maßeinheit für Bier, die einen halben Liter (genauer gesagt 0,535l) bezeichnet. Manchmal sagt man auch Halbe dazu. In Bayern hingegen spricht man eher von der Maß Bier, die bekanntermaßen einen Liter ist.

Bierflöte
Woher genau die Bierflöte ihren Namen hat nicht überliefert. In jedem Fall handelt es sich um ein schmales, elegantes Bierglas, das entfernt an ein Sektglas erinnert. Es wird gerne für edlere Biere genutzt bzw. Biermarken, die sich einen edlen Anstrich geben wollen. Aber auch weniger exklusive Pilssorten schmecken aus diesen Gläsern ausgezeichnet.

Bierschwenker
Eine sehr moderne Art von Biergläsern. Manche Bierhersteller – insbesondere von Craft-Bieren – empfehlen ihr Bier aus einem Bierschwenker zu trinken. Dieses Glas erinnert stark an einen Cognacschwenker, nur etwas größer.
Im Gegensatz zu anderen Bieren sollen diese Biere atmen können. Nur so entfalten sie ihr volles Aroma. Zumeist handelt es sich dabei um eher kräftige und Malz betonte Biere.

Der Bierstiefel
Ein ideales Gefäß für gesellige Runden. In vielen Mannschaftskabinen nach einem Spiel oder auch in den Vereinsheimen, auf vielen Parties und bei Trinkspielen nicht wegzudenken. Die Stiefel gibt es in sehr unterschiedlichen Größen – von rund 1 Liter bis hin zu 5 Litern.
Wer bei jedem Schluck über 5 Kilo heben möchte, bitteschön … das könnte man fast als Training bezeichnen :). Auf der anderen Seite ist das Bier natürlich nicht mehr so ganz frisch, wenn man an den Zehen angekommen ist. Im Idealfall teilt man sich den Stiefel ja auch mit Freunden. Fun ist es in jedem Fall aus dieser Art von Biergläsern zu trinken.

Berliner Weisse Glas
Bei Berliner Weisse handelt es sich im Berliner Weißbier, welches obergärig mit einem hohen Weizenmalz Anteil gebraut wird. Die Berliner Weisse wird mit Himbeer- oder Waldmeister Likör gemischt und in einer halbkugelförmigen Schale mit Stiel serviert.

Craft-Bier Gläser
Die Gruppe der Craftbier Gläser ist riesig, da es nicht das eine ganz spezielle Craftbier Glas gibt. Jede Brauerei hat hier ihre eigenen Vorstellungen, welches Glas die Aromen ihres Bieres besonders hervor kitzeln. Craftbiere an sich sind ebenso vielfältig. Es gibt helle und dunkle, ober- und untergärige, herbe und süße, malzige und bitter.

Kleine Geschichte der Biergläser
Die Geschichte der Biergläser ist so vielfältig und reichhaltig wie die des Bieres selbst. Im Laufe der Jahrhunderte haben Brautraditionen und regionale Vorlieben zur Entwicklung einer breiten Palette von Glasformen geführt, jede davon entworfen, um die einzigartigen Eigenschaften bestimmter Biersorten hervorzuheben. Im mittelalterlichen Europa begann man mit einfachen Steinkrügen, die allmählich durch spezifischere Glasformen ergänzt wurden, als die Bierproduktion und -kultur an Vielfalt gewann.
Im 19. Jahrhundert, mit der Verbesserung der Glasbläserei und der zunehmenden Popularität von Bierstilen wie Pilsener und Weizenbier, wurden spezielle Gläser wie das Pilsner-Glas mit seiner hohen, schlanken Form und das Weizenglas mit seiner charakteristischen geschwungenen Form entwickelt, um die Klarheit, genauer gesagt, die aromatischen Eigenschaften dieser Biere zu betonen.
Diese Entwicklung spiegelt nicht nur den technologischen Fortschritt wider, sondern auch ein wachsendes Verständnis dafür, wie das sensorische Erlebnis den Genuss von Bier verbessern kann. Heute sind Biergläser ein wesentlicher Bestandteil der Bierkultur, und ihre Formen dienen dazu, die reiche Vielfalt der Bierwelt zu feiern und zu ergänzen.
Bier und Biergläser: Ein gutes Bier ist wie ein guter Wein
Früher hat man sich über Bier nicht allzu viele Gedanken gemacht. Man ging in eine Kneipe, bestellte sich ein Bier und trank es. Heutzutage hat sich das entscheidend geändert. Insbesondere im Bereich des Craftbeers. Einerseits werden Biere hochwertiger angesehen, andererseits wird man sich der Nuancen, der Feinheiten und des Geschmacks bewusster. Verwundert es da, dass man heute auch Bier-Sommeliers findet?
Es war an der Zeit, dass Bier aus seinem Kneipenimage geholt wird und ihm die Aufmerksamkeit gibt, die es verdient hat. Bier verfügt über komplexe Geschmacksprofile. Inbesondere bei den oft in Handarbeit liebevoll gebrauten Sorten India Pale Ale, American Wheat Beer und Stout.
