Wenn wir an Cyberbedrohungen denken, kommt uns nur selten in den Sinn, dass sie realen, physischen Schaden anrichten können. In Wirklichkeit können fortschrittliche Cyberangriffe echte Folgen im Alltag haben: Sie können unsere Lieferketten beeinträchtigen, unseren Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen einschränken – sogar unsere Nahrungsmittel betreffen.
Ein Angriff auf den brasilianischen Fleischverarbeiter JBS im Jahr 2021 zwang das Unternehmen, mehrere seiner Werke stillzulegen und kostete es letztendlich 11 Millionen US-Dollar. Dieser Vorfall entfachte die Diskussion über die Gefahren automatisierter Lebensmittelproduktionsprozesse neu.
Wir stehen nun vor der realen Möglichkeit, dass Hacker unsere Lebensmittel manipulieren könnten – mit irreversiblen Schäden. Was wissen wir also wirklich über potenzielle Cyberbedrohungen für die Lebensmittelindustrie?
Wie sind Cybersicherheit und Lebensmittel miteinander verbunden?
Da die meisten Lebensmittelwerke stark automatisiert sind, werden die Prozesse größtenteils von Computern gesteuert. Dazu gehören die Überwachung der Temperatur, der Inhaltsstoffe in den Rezepturen und vieles mehr. Viele Unternehmen setzen inzwischen auch auf eine Cloud-Lösung für Unternehmen, um Daten zentral zu speichern und Abläufe effizienter zu gestalten.
Doch genau dadurch steigen die Anforderungen an IT-Sicherheit erheblich. Wenn diese Systeme verwundbar sind und kein virtuelles privates Netzwerk (VPN) verwenden, kann eine unbefugte Person Zugriff erlangen und kontrollieren, was mit den in der Fabrik hergestellten Lebensmitteln geschieht.
Mögliche unsichere, gesundheitsgefährdende Lebensmittel im Supermarktregal
Sie kann die Zutaten oder interne Abläufe manipulieren, was zu unsicheren, gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln in Supermarktregalen und schließlich in unseren Haushalten führt. Hacker könnten sogar einzelne Systeme innerhalb der Lebensmittelwerke stilllegen – beispielsweise Kühlanlagen sabotieren, was zu verdorbenen Lebensmitteln und Engpässen führt.
Um dies zu vermeiden, sollten Unternehmen, die auf intelligente Technologien oder Cloud-Systeme angewiesen sind, stets ein VPN und moderne Sicherheitslösungen nutzen. Obwohl es viele VPN-Anbieter gibt, ist die Wahl des richtigen relativ einfach: Am besten liest man Bewertungen im Internet, um den passenden Dienst für das jeweilige Unternehmen zu finden.
Dieses Thema ist besonders wichtig für große Ketten mit standardisierten Rezepturen in all ihren Filialen. Ein einzelner Fehler könnte hier landesweite oder – in seltenen, aber bedeutenden Fällen – weltweite Auswirkungen haben. Wenn eine unbefugte Person die Rezeptur verändert, kann dies zudem geschehen, ohne Spuren zu hinterlassen.
Das bedeutet, die Fabrik oder Kette arbeitet wie gewohnt weiter, während die Rezeptur bereits verändert und möglicherweise gefährlich ist. Daher ist die Einführung höherer Sicherheitsstandards in der Lebensmittelindustrie ein notwendiger nächster Schritt für alle Werke und großen Unternehmen, die in ihren Produktionsprozessen Automatisierung oder Cloud-Technologie einsetzen.
Warum sprechen nicht mehr Menschen darüber?
Die Herausforderung in diesem speziellen Bereich der Cybersicherheit liegt darin, dass die Lebensmittelindustrie weltweit bislang nicht zu den bevorzugten Zielen von Hackern zählt – doch dieser Trend scheint sich zu ändern. Während es früher weniger hochautomatisierte Lebensmittelwerke und Lieferketten gab, ist die Digitalisierung der Produktionsprozesse heute ein globales Phänomen.
Die Lebensmittelindustrie ist ein zentraler Teil unseres globalen Systems und wird zunehmend anfällig für Bedrohungen, die wir bislang eher mit Finanz- oder Einzelhandelssektoren in Verbindung gebracht haben.
Digitalisierung auf allen Ebenen
Diese Risiken zeigen sich auch auf individueller Ebene: Landwirte nutzen GPS, um ihre Felder zu düngen und Erträge zu optimieren. Wenn diese Systeme fehlerhaft sind oder kompromittiert werden, kann eine gesamte Branche die Folgen spüren. Cyberangriffe könnten sogar als Waffe in internationalen Konflikten eingesetzt werden, um die Lieferketten und Nahrungsmittelversorgung des Gegners zu zerstören.
Der Angriff auf das JBS-Werk zeigt, dass Lebensmittelunternehmen nicht immun gegen Cyberangriffe sind und dass die Folgen schwacher Sicherheitsstandards in dieser Branche gravierender sein können als in vielen anderen Bereichen. Die Industrie ist nicht nur anfällig für Störungen ihrer Lieferketten – wir müssen uns nun auch fragen, was tatsächlich in unsere Lebensmittel gelangt und ob die Maschinenanweisungen authentisch und sicher sind.
Auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, als hätten Cybersicherheit und die Lebensmittelindustrie wenig miteinander zu tun, sind Cyberbedrohungen heute eine reale Gefahr für jedes Feld und jede Branche, die auf Automatisierung, IoT, Cloud-Lösungen und intelligente Technologien angewiesen ist.
Deshalb wird es für die Lebensmittelindustrie in den kommenden Jahren entscheidend sein, solide Sicherheitssysteme zu implementieren und sich der realen Gefahren bewusst zu sein.
