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Erste Hilfe Schulung im Betrieb

Erste Hilfe Schulung

1. Einführung in das Thema Betriebliche Erste Hilfe

Bedeutung der Ersten Hilfe im Betrieb

Erste Hilfe ist nicht nur ein moralischer Imperativ, sondern auch ein kritischer Faktor, um das Leben und die Gesundheit von Mitarbeitern in Notfallsituationen zu schützen. Ein schnelles und korrektes Eingreifen kann nicht nur Leben retten, sondern auch die Schwere von Verletzungen reduzieren und den Heilungsprozess beschleunigen. In einem Arbeitsumfeld, in dem die Gefahr von Verletzungen oder gesundheitlichen Problemen besteht, ist es unerlässlich, dass die Mitarbeiter sowohl die Notwendigkeit als auch die Grundlagen der Ersten Hilfe durch eine Schulung verstehen.

Statistiken zu Arbeitsunfällen und ihre Folgen

Jedes Jahr gibt es zahlreiche Arbeitsunfälle. In Deutschland werden jährlich über 1 Million Arbeitsunfälle gemeldet. Ein signifikanter Prozentsatz dieser Unfälle führt zu schweren Verletzungen oder sogar zum Tod. Solche Zahlen unterstreichen die Bedeutung der Ersten Hilfe und die Notwendigkeit, in einem Betrieb gut darauf vorbereitet zu sein.

Ziel der Schulung und was die Teilnehmer lernen werden

Das Hauptziel dieser Erste Hilfe Schulung ist es, die Teilnehmer mit den notwendigen Kenntnissen und Fähigkeiten auszustatten, um in Notfallsituationen angemessen reagieren zu können. Bis zum Ende dieser Schulung werden die Teilnehmer in der Lage sein:

  • Die Grundprinzipien der Ersten Hilfe zu verstehen.
  • Sofortmaßnahmen bei häufigen Unfällen und gesundheitlichen Problemen durchzuführen.
  • Zu erkennen, wann professionelle medizinische Hilfe benötigt wird und wie man diese effizient alarmiert.

2. Gesetzliche Grundlagen und Pflichten

Gesetzliche Anforderungen zur Ersten Hilfe in Betrieben (gemäß Arbeitsschutzgesetz)

Das Arbeitsschutzgesetz und die zugehörigen Verordnungen und Richtlinien legen fest, dass Arbeitgeber sicherstellen müssen, dass im Falle eines Unfalls geeignete Maßnahmen zur Ersten Hilfe getroffen werden. Dazu gehören sowohl die Bereitstellung von Materialien und Ausrüstung als auch die Schulung von Mitarbeitern in Erster Hilfe.

Pflichten des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers

  • Arbeitgeber: Arbeitgeber sind verpflichtet, Erste-Hilfe-Einrichtungen bereitzustellen und sicherzustellen, dass es ausreichend geschulte Ersthelfer im Betrieb gibt. Dies beinhaltet auch, dass Erste-Hilfe-Material regelmäßig überprüft und erneuert wird. Außerdem müssen Arbeitgeber sicherstellen, dass bei einem Unfall sofort Erste Hilfe geleistet werden kann.
  • Arbeitnehmer: Arbeitnehmer sollten sich der Standorte von Erste-Hilfe-Einrichtungen bewusst sein und sich bei Arbeitsunfällen unverzüglich melden. Sie sollten auch an Erste-Hilfe-Schulungen teilnehmen, wenn sie dazu aufgefordert werden, und die im Training erworbenen Kenntnisse bei Bedarf anwenden.
  • Einrichtung von Erste-Hilfe-Stationen: Jeder Betrieb sollte gut sichtbare und leicht zugängliche Erste-Hilfe-Stationen haben. Diese Stationen sollten mit den notwendigen Erste-Hilfe-Materialien, wie z.B. Verbandkästen, ausgestattet sein. Die genaue Anzahl und Art der benötigten Materialien kann je nach Größe und Art des Betriebs variieren. Es ist auch wichtig, dass die Erste-Hilfe-Stationen regelmäßig überprüft und nachgefüllt werden. Mitarbeiter sollten zudem darüber informiert werden, wo sich die nächste Erste-Hilfe-Station befindet und wie sie im Notfall zu verwenden ist.

3. Grundlagen der Ersten Hilfe

Die 5 W-Fragen

Bei jedem Notfall ist eine schnelle und klare Kommunikation essenziell, vor allem wenn man den Rettungsdienst ruft. Die 5 W-Fragen helfen dabei, die wichtigsten Informationen in der richtigen Reihenfolge zu übermitteln:

  1. Wer? – Wer ruft an? Nennen Sie Ihren Namen und Ihre Funktion oder Beziehung zum Verletzten (z.B. Kollege, Vorgesetzter).
  2. Was? – Was ist passiert? Beschreiben Sie die Art des Unfalls oder Notfalls.
  3. Wo? – Wo ist es passiert? Geben Sie den genauen Standort oder die Adresse an.
  4. Wie viele? – Wie viele Personen sind betroffen oder verletzt?
  5. Warten auf Rückfragen! – Legen Sie nicht auf, bevor der Disponent das Gespräch beendet hat. Er könnte noch weitere Informationen benötigen.

Lebensrettende Sofortmaßnahmen

Es gibt einige grundlegende Schritte, die in den meisten Notfallsituationen durchgeführt werden sollten:

  • Absichern der Unfallstelle.
  • Überprüfen der Bewusstseinslage und der Atmung des Verletzten.
  • Sofortige lebensrettende Maßnahmen einleiten, wie z.B. Herz-Lungen-Wiederbelebung.
  • Bei Atemnot: Fremdkörper entfernen oder stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit ohne Atemnot.
  • Bei Blutungen: Blutung stillen und Verbände anlegen.
  • Rettungsdienst rufen.

Prioritäten bei der Versorgung

Im Notfall sollte man stets die sogenannte „ABCDE“-Regel befolgen, um die Prioritäten richtig zu setzen:

  • A (Airway) – Atemwege überprüfen und freimachen.
  • B (Breathing) – Atmung kontrollieren.
  • C (Circulation) – Kreislauf prüfen und ggf. Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen.
  • D (Disability) – Neurologische Defizite feststellen.
  • E (Exposure/Environment) – Umgebung und äußere Verletzungen begutachten.

4. Praktische Übungen

Stabile Seitenlage: Ziel dieser Position ist es, die Atemwege einer bewusstlosen, aber atmenden Person frei zu halten, sodass Flüssigkeiten (z.B. Erbrochenes) ablaufen können und nicht in die Lunge gelangen. Die genauen Schritte zur Durchführung sollten praktisch demonstriert und geübt werden.

Herz-Lungen-Wiederbelebung: Eine effektive HLW kombiniert Thoraxkompressionen (Herzdruckmassage) mit Beatmungen (Mund-zu-Mund oder Mund-zu-Nase). Das richtige Timing, die Tiefe der Kompressionen und die korrekte Technik sind entscheidend.

Verwendung eines Defibrillators (AED): Automatisierte externe Defibrillatoren (AEDs) sind Geräte, die elektrische Schocks liefern, um ein flimmerndes Herz wieder in einen normalen Rhythmus zu bringen. Es ist wichtig zu lernen, wie man einen AED richtig bedient und anwendet.

Anlegen von Verbänden und Druckverbänden: Ein korrektes Anlegen von Verbänden kann Blutungen stoppen und Infektionen verhindern. Ein Druckverband ist speziell dafür ausgelegt, starke Blutungen zu kontrollieren. Die Techniken sollten praxisnah geübt werden.

Maßnahmen bei Bewusstlosigkeit, Schock oder Atemnot: Jeder dieser Zustände erfordert spezielle Interventionen. Bei Bewusstlosigkeit muss überprüft werden, ob die Person atmet, bei einem Schock sollte die Person warm gehalten und beruhigt werden und bei Atemnot sollte die Ursache festgestellt und entsprechend gehandelt werden. Alle Szenarien sollten im Rahmen von praktischen Übungen durchgeführt werden.

5. Erste Hilfe Schulung für spezifische Unfälle im Betrieb

Verbrennungen, Verbrühungen und chemische Verätzungen

  • Erste Schritte: Betroffene Hautstelle sofort mit kühlem, aber nicht eiskaltem Wasser mindestens 10 Minuten lang kühlen.
  • Bei chemischen Verätzungen: Verursachende Substanz entfernen und betroffene Stelle großzügig mit Wasser spülen.
  • Keine Hausmittel (z.B. Zahnpasta) verwenden!
  • Lose, sterile Verbände anlegen, keine Kleidung oder Gegenstände, die an der Wunde kleben, entfernen.
  • Bei schweren Verbrennungen/Verätzungen sofort den Notruf wählen.

Schnitt-, Stich- und Quetschverletzungen

  • Wunde unter fließendem Wasser reinigen.
  • Bei stark blutenden Wunden: Direkten Druck auf die Wunde ausüben und hochlagern, wenn möglich.
  • Sterilen Verband oder sauberes Tuch verwenden, um die Wunde abzudecken.
  • Bei tiefen Stichwunden oder eingedrungenen Fremdkörpern: Nicht entfernen, sondern um den Gegenstand herum abpolstern und ins Krankenhaus bringen.

Augenverletzungen durch Fremdkörper oder Chemikalien

  • Nicht am Auge reiben!
  • Bei Fremdkörpern: Auge mit fließendem Wasser spülen oder versuchen, den Fremdkörper mit einer Ecke eines sauberen Tuchs zu entfernen.
  • Bei Kontakt mit Chemikalien: Auge mindestens 15 Minuten lang mit viel Wasser spülen und sofort medizinische Hilfe suchen.
  • Schutzbrille tragen, wenn mit potenziell gefährlichen Materialien gearbeitet wird.

Elektrounfälle

  • Eigene Sicherheit zuerst! Nicht das Opfer berühren, solange dieses noch mit der Stromquelle in Kontakt steht.
  • Stromquelle abschalten oder das Opfer mit einem nicht leitenden Gegenstand (z.B. Holzstab) von der Quelle entfernen.
  • Notruf absetzen.
  • Lebensrettende Sofortmaßnahmen durchführen, falls das Opfer nicht atmet oder keinen Puls hat.

6. Psychologische Erste Hilfe Schulung

Umgang mit Betroffenen und Zeugen eines Unfalls

  • Ruhe bewahren und Verständnis zeigen. Nicht überstürzt handeln.
  • Aktives Zuhören und physischen Abstand halten, wenn nötig.
  • Vermitteln von Sicherheit und Unterstützung.
  • Nicht zu schnellen Aussagen oder Interpretationen über den Vorfall drängen.

Stressreaktionen und ihre Bewältigung

  • Erkennen, dass körperliche und emotionale Reaktionen nach einem traumatischen Ereignis normal sind.
  • Akzeptieren und zulassen dieser Gefühle.
  • Atem- und Entspannungsübungen können helfen.
  • Vermeidung von Alkohol und Drogen.
  • Suche nach Unterstützung durch Freunde, Familie oder Kollegen.

Unterstützungsangebote für Mitarbeiter nach kritischen Ereignissen

  • Betriebliche Gesundheitsvorsorge oder psychosoziale Notfallversorgung anbieten.
  • Einzel- oder Gruppenberatungen durch geschulte Fachkräfte.
  • Flexible Arbeitszeitmodelle oder kurzfristige Freistellungen, falls nötig.
  • Informationen über externe Unterstützungsangebote und Beratungsstellen bereitstellen.

Wichtig ist, die psychischen Auswirkungen eines traumatischen Ereignisses ernst zu nehmen und Betroffenen rechtzeitig Hilfe und Unterstützung anzubieten.

7. Zusammenarbeit mit Rettungsdiensten und Notärzten

Wann und wie den Rettungsdienst alarmieren

  • Bei schweren Verletzungen, Bewusstlosigkeit, Atemnot, starken Schmerzen oder anderen lebensbedrohlichen Symptomen sollte sofort der Rettungsdienst gerufen werden.
  • Den Notruf 112 (in vielen europäischen Ländern) wählen. Es ist wichtig, klar und präzise zu sein und alle Fragen des Disponenten zu beantworten.

Informationen, die dem Rettungsdienst übermittelt werden sollten

  • Ort des Unfalls (genaue Adresse und ggf. besondere Zugangsbedingungen).
  • Anzahl der Verletzten und Art der Verletzungen.
  • Umstände des Unfalls (z.B. Sturz aus großer Höhe, Kontakt mit Chemikalien).
  • Wichtige Informationen über die betroffene Person, wie Alter, Geschlecht und bekannte Vorerkrankungen.

Unterstützung und Zusammenarbeit vor Ort

  • Den Rettungskräften den schnellsten Weg zum Unfallopfer zeigen.
  • Informationen über den Unfallhergang und bereits durchgeführte Erste-Hilfe-Maßnahmen weitergeben.
  • Bei Bedarf helfen, Ausrüstung zu tragen oder den Rettungsdienst anderweitig zu unterstützen.
  • Andere Personen aus dem Gefahrenbereich bringen.

8. Abschlusstest und Diskussion

Kurzer Test zur Überprüfung des Erlernten:

  • Ein Multiple-Choice-Test oder ein kurzes Quiz kann helfen, das erlernte Wissen zu überprüfen. Fragen könnten sich auf die Theorie und Praxis der Ersten Hilfe, die 5 W-Fragen und spezifische Notfallsituationen beziehen.

Offene Fragen klären:

  • Raum für Fragen der Teilnehmer geben, die während der Schulung aufgetreten sind. Dabei ist es wichtig, auf spezifische Anliegen oder Unsicherheiten einzugehen.

Feedback zur Schulung:

  • Feedbackbögen verteilen, um Meinungen und Vorschläge der Teilnehmer zur Schulung zu sammeln. Dies kann helfen, zukünftige Schulungen zu verbessern.

9. Schlusswort und weitere Schritte

Bedeutung regelmäßiger Auffrischungen und Übungen:

  • Betonen, dass Fähigkeiten in der Ersten Hilfe regelmäßig aufgefrischt und geübt werden sollten, um in Notfallsituationen effektiv handeln zu können.

Angebote für vertiefende Schulungen:

  • Informationen über weiterführende Kurse oder spezialisierte Schulungen bereitstellen, z.B. zur Reanimation, Umgang mit speziellen Notfällen oder psychologischer Ersten Hilfe.

Dank und Verabschiedung:

  • Den Teilnehmern für ihre aktive Teilnahme und ihr Engagement danken.
  • Hinweis auf die Wichtigkeit ihres Beitrags zur Sicherheit am Arbeitsplatz durch das neu erworbene Wissen in der Ersten Hilfe geben.

Dokumentation

Name des Unterweisenden 
Anlass der UnterweisungJährliche Erste-Hilfe-Schulung
Abteilung/Team/Namen der Mitarbeiter (ggf. die Rückseite verwenden) 
Datum und Uhrzeit 

Inhalt der Schulung

In unserem Betrieb gibt es die folgenden Ersthelfer: 
Der Aushang „Verhalten bei Unfällen“ hängt an der Stelle und ist stets zu beachten: 
Ein Unfall ist zu melden an: 
Verbandsmaterial ist zu finden an welcher Stelle? 
Bei einem Arbeitsunfall ist der folgende Durchgangsarzt aufzusuchen: 
Wie sind die Erste-Hilfe-Leistungen zu dokumentieren?Das beigefügte Formular wurde allen gezeigt und erklärt

Download Erste Hilfe Aushang

Dieses Erste Hilfe Plakat A4 in Farbe können Sie hier kostenlos herunterladen und ausdrucken. Als Erste Hilfe Aushang in Ihrem Betrieb dient es der Information der Mitarbeiter in einem Notfall.

Diese Anleitung zur Ersten Hilfe ist für die meisten Situationen passend. Die Erste Hilfe Vorlage steht zum gratis Download für Sie bereit.

Es zeigt zum einen, wie man sich richtig verhält und zum anderen können Sie auf der Erste-Hilfe Aushang auch die wichtigsten Kontaktdaten und Telefonnummern eintragen.

Aushang Erste Hilfe